Fast zwei Drittel der Architekt:innen, die wir für unseren Praxis-Guide »Messe heute – Messe morgen« befragt haben, finden QR-Codes am Stand sinnvoller als gedruckte Broschüren und Flyer. Was passiert, wenn so ein Code nur auf eine allgemeine Startseite führt, beschreibt Piotr Misiewicz von de Winder Architekten:
»Auf der Messe nehme ich mir Zeit und schaue mir alles genau an, aber online? Wenn die Website nicht in einer Minute das liefert, was ich brauche, dann bin ich weg.«
Piotr Misiewicz, de Winder Architekten
So beschreiben es viele der Befragten. Am Stand nehmen sie sich Zeit, schauen genau hin und fassen an. Ob ein Produkt in ein Projekt kommt, entscheidet sich aber später im Büro, und dort zählt, was vom Messetag übrig ist: ein Muster, ein Link, der funktioniert, eine Zusage, die eingelöst wird.
Bis zur BAU 2027 vom 11. bis 15. Januar in München bleiben euch noch einige Wochen. Sie reichen, um dafür zu sorgen, dass Architekt:innen und Fachplaner:innen etwas von eurem Stand mit in ihre Projekte nehmen: eine Einladung, die einen Grund zum Kommen nennt, Bauprodukte, die man in die Hand nehmen darf, und eine Nachbereitung, die hält, was am Stand versprochen wurde.
Eure Einladung braucht einen Grund
Ihr plant eure Messeteilnahme lange im Voraus. Viele Planungsbüros entscheiden dagegen eher kurzfristig, ob sie nach München fahren und wer aus dem Team mitkommt. Eine gute Einladung hilft genau bei dieser Entscheidung, wie Christine Klug von der assmann gruppe erzählt:
»Zu wissen, was ein Hersteller auf der Messe plant und welche Zielgruppe er anspricht, hilft uns im Team bei der Besuchsplanung.«
Christine Klug, assmann gruppe
Dafür muss in der Einladung mehr stehen als Halle und Standnummer. Schreibt, was es bei euch zu sehen gibt und für wen sich der Weg lohnt: für das Entwurfsteam, für die Ausführungsplanung oder für die Kolleg:innen, die sich um Nachweise und Nachhaltigkeit kümmern. In unserer Umfrage legte mehr als die Hälfte der Befragten Wert auf Events, Produktvorführungen oder Fortbildungspunkte. Für das Messeteam oder Vorabeinblicke in den Stand interessierten sich dagegen weniger als sieben Prozent. Das Rendering eures Stands freut also vor allem euch selbst.
Auch der Zeitpunkt zählt. Wiebke Ahues von LXSY Architektur wünscht sich eine persönliche Einladung vier bis sechs Wochen vor der Messe, für die BAU 2027 also zwischen Ende November und Mitte Dezember. Weil danach Weihnachten und der Jahreswechsel kommen, sollte eure Einladung vor den Feiertagen verschickt sein. Im Januar reicht dann eine kurze Erinnerung an vereinbarte Termine.
Am Stand zählt, was man in die Hand nehmen kann
Lutz Hammer von RECKLI hat einen Satz gesagt, den man jedem Messeteam mitgeben möchte:
»Ich habe noch nie einen Architekten gesehen, der sich freiwillig 10 Minuten vor einen Bildschirm stellt, um ein Image-Video zu schauen.«
Lutz Hammer, RECKLI
Was Architekt:innen stattdessen wollen, zeigt unsere Umfrage deutlich: Mehr als neun von zehn Befragten halten haptische Erlebnisse und Produktmuster für wichtig oder sehr wichtig. Muster gehören deshalb nicht in Vitrinen, sondern in die Hände eurer Gäste. Wer Oberflächen vergleicht, ein Bauteil zerlegt oder eine Verbindung selbst ausprobiert, beschäftigt sich mit euren Bauprodukten, ohne dass ihr viel erklären müsst.

Auch Bauprodukte, die sich schlecht anfassen lassen, haben eine Chance. Für Hersteller von Klebstoffen, Bitumen oder Aluminium schlägt unser Guide vor, das Produkt in seinen Einzelteilen zu zeigen oder die Rohstoffe in kleinen Fühlboxen zum Ertasten anzubieten.
Denkt dabei an den QR-Code vom Anfang: Jedes Muster braucht einen gut lesbaren Namen und einen QR-Code, der direkt zum Produkt führt.
Euer Team fragt zuerst nach dem Projekt
Anke Stern von ankestern interior formuliert die Erwartung an ein Standteam knapp:
»Ich bin Fachpublikum und erwarte, dass man über seine Produkte Bescheid weiß.«
Anke Stern, ankestern interior
Fachwissen allein reicht aber nicht, wenn das Gespräch mit »Kann ich Ihnen helfen?« beginnt. Besser ist eine Frage nach dem Projekt, an dem euer Gegenüber gerade arbeitet, und nach der Zeit, die es mitgebracht hat. Für ein erstes Gespräch reichen den Architekt:innen aus unserem Guide oft fünf bis zehn Minuten, und was ihr zeigt, sollte sich nach der Antwort richten.

Auch wie das Team am Stand steht, fällt auf. Christine Klug findet es unangenehm, wenn an einem Stand mehr Personal steht als Kundschaft, und Grüppchen aus Mitarbeitenden wirken weniger einladend als einzelne Kolleg:innen, die offen auf Gäste zugehen. Für OBO Bettermann haben wir die Vorbereitung auf die BAU 2025 mit einer fünfstündigen Remote-Schulung für 14 Personen aus Messe- und Vertriebsteam begleitet. Bei RECKLI geht das Team während der Messe jeden Tag durch, was gut lief und welche Fragen am häufigsten kamen.
Was ihr versprecht, kommt in der ersten Woche an
Jemand aus einem Innenarchitekturbüro schrieb in unserer Umfrage:
»Die letzten Male kam das Follow-up nach Überlassung meiner Visitenkarte sehr spät (>10 Tage). Ein schnelleres Follow-Up wäre wünschenswert.«
Teilnehmer:in unserer Umfrage, Innenarchitektur
Zehn Tage sind nach einer Messe schnell vergangen, zumal ihr meist länger in München seid als eure Gäste. Wer am Montag bei euch war, sitzt am Dienstag vielleicht schon wieder am Schreibtisch. Fragt deshalb im Gespräch, bis wann jemand Unterlagen oder Muster braucht, und klärt vor der Messe, wer im Büro solche Anfragen sofort bearbeitet. Was ihr zugesagt habt, sollte spätestens in der ersten Woche nach der Messe ankommen.
Bei allen anderen Kontakten zählt der Bezug zum Gespräch. Chris Middleton von Kinzo sagt dazu:
»Automatisierte Mails beachte ich persönlich gar nicht. Eine personalisierte Nachverfolgung kann jedoch sehr sinnvoll sein.«
Chris Middleton, Kinzo
Rund ein Viertel der Befragten wünscht sich gar keine Nachverfolgung und holt sich die Informationen lieber selbst, über QR-Codes oder die Website. Für sie ist eure Website die Nachbereitung, und damit sind wir wieder bei der einen Minute vom Anfang. Eine kurze, gut gemachte Mail mit echtem Inhalt würden wir trotzdem schicken. In unserem Guide weichen wir an dieser Stelle bewusst von vielen Befragten ab, weil auch kleine, unaufdringliche Berührungspunkte im Gedächtnis bleiben, wenn später eine Produktentscheidung ansteht. Mehr als die Hälfte wünscht sich außerdem eine Einladung zu weiteren Veranstaltungen, etwa einem Lunch & Learn im Büro.
Wir sehen uns auf der BAU 2027
Wir sind im Januar mit dem ganzen hej.build-Team auf der BAU 2027. Wenn ihr vorher noch an Einladung, Standteam oder Nachbereitung arbeiten wollt, sprecht uns an. Wie Architekt:innen Messen erleben, steht ausführlich in unserem Praxis-Guide »Messe heute – Messe morgen«. Für die Messe München haben wir außerdem den Report »100 Messe-Tipps« entwickelt.