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Brauche ich als Bauprodukthersteller EPDs? Spoiler: Ja

Auf einen Blick

  • EPD-Daten werden zur Grundlage für Pflichtangaben: Die neue Bauprodukteverordnung verlangt schrittweise Angaben zum Treibhauspotenzial von Bauprodukten. Ab 2028 muss für neue Gebäude mit mehr als 1.000 m² das Treibhauspotenzial über den Lebenszyklus berechnet werden.
  • Von Kunden gefragt: Über 85 % der Hersteller erstellen EPDs aufgrund von Kundennachfrage. Große Architekturbüros fragen Umweltproduktdeklarationen bereits standardmäßig in der frühen Planungsphase ab.
  • Firmenspezifische EPDs statt Branchen-EPDs: Individuelle Deklarationen ermöglichen eine genauere Differenzierung über nachhaltige Produkteigenschaften und liefern belastbare Daten für die Nachhaltigkeitskommunikation.
  • Jetzt interne Prozesse optimieren: Automatisierte EPD-Tools und KI-gestützte Lösungen senken langfristig Kosten und Aufwand. Mehr als die Hälfte der Hersteller nutzt EPD-Daten intern, knapp ein Drittel hat damit bereits die Produktion verändert.
Erstellt
21.02.25
Aktualisiert
10.10.26
Lesezeit
5 Minuten
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Hände halten ein Tablet mit einem digitalen Dokument über Umweltproduktdeklarationen (EPDs) vor dem Hintergrund einer keramischen Vase.
Inhaltsverzeichnis
  1. First things first: Was ist eine EPD?
  2. EPDs sind also kein Nice-to-have, sondern ein Muss
  3. Lohnt sich die Erstellung von EPDs für Hersteller schon jetzt?
  4. Was können Hersteller jetzt also tun?
  5. Branchen-EPD oder individuelle Deklaration?
  6. Quellen
  7. Häufige Fragen

First things first: Was ist eine EPD?

Eine Environmental Product Declaration (EPD) ist eine standardisierte, extern geprüfte Umweltproduktdeklaration. Kurz gesagt: Sie macht die Umweltauswirkungen eines Baustoffs oder Produkts nach einheitlichen, branchenweit gültigen Regeln transparent. 

Für Architekt:innen und Fachplaner:innen sind EPDs ein wichtiges Werkzeug für nachhaltige Entscheidungen, weil sie belastbare Daten zur Ökobilanz eines Produkts liefern: von der Herstellung über die Nutzung bis hin zum Recycling. Sie sind außerdem essenziell für die ökologische Bewertung von Gebäuden, etwa im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse (LCA). In Deutschland sind sowohl herstellerspezifische EPDs als auch generische Ökobilanz-Daten öffentlich in der Ökobaudat (eine staatliche Datenbank für Umweltinformationen von Bauprodukten) abrufbar und werden regelmäßig aktualisiert.

EPDs sind also kein Nice-to-have, sondern ein Muss

Die Nachfrage nach Umweltproduktdeklarationen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Warum?

  • Weil EPDs der kleinste gemeinsame Nenner sind, um Architekturbüros mit vergleichbaren Umweltinformationen zu versorgen.
  • Weil sich Planungsbüros im Dickicht der Umweltlabels gerne an EPDs orientieren, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Kein Wunder also, dass über 85 Prozent der Bauprodukthersteller in der DGNB/BPIE-Bestandsaufnahme vom November 2024 angeben, dass sie EPDs vor allem wegen der Kundennachfrage erstellen. Besonders relevant sind sie für Gebäudezertifizierungen, bei denen Umweltkennwerte eine Rolle spielen.

Und die Entwicklung geht weiter:

  • Die neue Bauprodukteverordnung (EU) 2024/3110 verpflichtet Hersteller, in der Leistungs- und Konformitätserklärung schrittweise auch das Treibhauspotenzial ihrer Produkte anzugeben. Die Pflicht greift je Produktfamilie, sobald deren neue harmonisierte Norm verbindlich wird. Berechnet wird nach der EN 15804, derselben Norm wie bei einer EPD.1
  • Ab dem 1. Januar 2028 muss für neue Gebäude mit mehr als 1.000 Quadratmetern Nutzfläche das Treibhauspotenzial über den Lebenszyklus berechnet und im Energieausweis angegeben werden, ab 2030 für alle neuen Gebäude. So steht es seit Juli 2026 im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), dem früheren GEG, das die EU-Gebäuderichtlinie umsetzt.2, 3

Damit wird die EPD zwar nicht zur Pflicht, ihre Daten werden aber zur Grundlage für Pflichtangaben. Gespräche mit unserem hej.build Architekturbeirat bestätigen diesen Trend: EPDs sind heute ein entscheidendes Kriterium, um Bauprodukte in der frühen Planungsphase zu bewerten. Große Architekturbüros wie HPP Architekten (Düsseldorf) oder Lendager (Kopenhagen) fragen diese Infos bereits standardmäßig ab, entweder im ersten Gespräch oder online.

Lohnt sich die Erstellung von EPDs für Hersteller schon jetzt?

Laut der Bestandsaufnahme von DGNB und BPIE gibt es drei zentrale Vorteile:

  1. 27 Prozent der Hersteller beobachten eine höhere Nachfrage nach Produkten, die eine EPD haben, 44 Prozent sehen keine Veränderung. Einen direkten Zusammenhang belegt die Studie ausdrücklich nicht.
  2. 75 Prozent nutzen die Ökobilanz-Daten aktiv für ihre Umweltkommunikation. Nachhaltige Produkte lassen sich so besser positionieren.
  3. Und eigentlich der erfreulichste Aspekt: Über 58 Prozent der Hersteller nutzen die Ergebnisse intern, 32 Prozent haben auf dieser Basis schon Änderungen in der Produktion angestoßen. Teils werden erst durch die systematische Erfassung Materialeinsparpotenziale und CO₂-Reduktionsmöglichkeiten sichtbar.

Trotzdem haben längst nicht alle Produkte eine EPD. Warum?

  • Hohe Kosten: Eine EPD kostet laut Bestandsaufnahme im Schnitt 8.000 bis 12.000 €, bei jedem sechsten befragten Hersteller über 20.000 €. Der größte Anteil fällt für Ökobilanz-Dienstleister an.
  • Fehlende interne Daten: Viele Hersteller haben Probleme, die notwendigen Daten intern zu erheben. Dadurch ziehen sich die Prozesse in die Länge und kosten noch mehr Geld.
  • Lange Bearbeitungszeiten: Engpässe bei Prüfstellen können den Prozess um Monate verzögern.

Was können Hersteller jetzt also tun?

Dranbleiben und eine mittelfristige Strategie entwickeln: Umweltproduktdeklarationen sollten mindestens für die wichtigsten Produkte erstellt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, interne Prozesse so zu optimieren, dass relevante Daten standardisiert erfasst und nicht erst mühsam zusammengestellt werden müssen. Und apropos Standardisierung: Trotz hoher Anfangsinvestitionen setzen immer mehr Unternehmen auf automatisierte Lösungen. Bereits 40 Prozent der befragten Hersteller nutzen EPD-Tools, um den Aufwand zu reduzieren und die Berechnung der Ökobilanzdaten zu erleichtern. Diese digitalen Werkzeuge senken langfristig die Kosten pro Produkt und machen den gesamten Prozess einfacher.

Und auch künstliche Intelligenz wird künftig eine wichtige Rolle spielen. Startups wie Emidat arbeiten bereits an Lösungen, die die Erstellung von EPDs stark vereinfachen sollen, und gehen damit den nächsten Schritt in Richtung standardisierter und einfacher zugänglicher Umweltinformationen für Bauprodukte.

Branchen-EPD oder individuelle Deklaration?

Und einen wichtigen Aspekt möchten wir euch noch mit auf den Weg geben: Mit steigender Nachfrage nach Umweltproduktdeklarationen zeigt sich ein klarer Wandel: weg von allgemeinen Branchen-EPDs hin zu firmenspezifischen Deklarationen. Während eine Branchen-EPD lediglich Durchschnittswerte für ein Material oder Produkt angibt, ermöglichen individuelle EPDs eine genauere Differenzierung über nachhaltige Produkteigenschaften. Hersteller, die sich im Markt klar positionieren möchten, brauchen belastbare, spezifische Umweltkennzahlen, die sie nicht mit Wettbewerbern aus der Branche teilen.

Doch nicht nur die Nachfrage steigt, auch die Regeln für Umweltaussagen werden strenger: Seit dem 27. September 2026 verbietet das UWG unter anderem allgemeine Umweltaussagen ohne Nachweis. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel »Green Claims«. Wer seine Aussagen auf die Daten einer EPD stützt, kommuniziert konkret und prüfbar. Für Hersteller, die bereits heute auf belastbare Daten setzen, wird das zu einem echten Wettbewerbsvorteil.

Wir bieten übrigens individuelle Schulungsreihen für Marketing- und Vertriebsteams an, um Know-how rund um nachhaltige Kommunikation und den Einsatz von Umweltkennzahlen aufzubauen. Ob grundlegendes Wissen, produktspezifische Anforderungen oder der Zusammenhang mit Gebäudezertifizierungen: Wir passen die Inhalte gerne flexibel an eure Bedürfnisse an. Bei Interesse schreibt uns.

* Wie wurde die Studie durchgeführt? Die Studie kombiniert eine Umfrage unter Bauproduktherstellern, die Auswertung der Ökobaudat, die Analyse relevanter Regelwerke und Interviews mit Expert:innen. Im Juli 2024 wurden rund 200 Unternehmen befragt, 59 haben geantwortet, vor allem Großunternehmen. Ziel war es, belastbare Daten zu den Herausforderungen, Kosten und Chancen von EPDs zu erheben.

Quellen

Häufige Fragen zum Artikel

Welche Produkte sollten wir zuerst mit einer EPD ausstatten?

Startet mit den Produkten, die den größten Umsatzanteil im Objektgeschäft haben und regelmäßig in Ausschreibungen oder Gesprächen mit Architekturbüros auftauchen. Auch Produkte, die in zertifizierungsrelevanten Projekten (z. B. DGNB, BNB, LEED) eingesetzt werden, sollten priorisiert werden. So erzielt ihr mit dem ersten Investment den größten Hebel im Vertrieb.

Wie können wir EPD-Daten konkret in unserer Marketingkommunikation einsetzen?

EPD-Daten lassen sich in Produktdatenblättern, BIM-Objekten, auf Produktseiten und in Nachhaltigkeitsberichten integrieren. Wichtig: Seit dem 27. September 2026 gelten im UWG strengere Regeln für Umweltaussagen. Wer mit EPD-Daten konkret und belegt kommuniziert, hat dafür eine solide Grundlage und baut Vertrauen bei Planungsbüros auf.

Lohnt sich der Aufpreis für eine firmenspezifische EPD gegenüber einer Branchen-EPD?

In den meisten Fällen ja, denn eine Branchen-EPD bildet nur Durchschnittswerte ab und macht eure individuellen Produktvorteile unsichtbar. Wenn eure Produkte z. B. einen höheren Recyclinganteil oder eine energieeffizientere Fertigung aufweisen, wird das nur in einer firmenspezifischen EPD sichtbar. Gerade im Wettbewerb um Ausschreibungen und bei der Positionierung gegenüber Architekturbüros ist diese Differenzierung entscheidend.

Welche internen Daten müssen wir für die EPD-Erstellung vorbereiten?

Typischerweise werden Daten zu Rohstoffeinsatz, Energieverbrauch in der Produktion, Transportwegen, Verpackung und Entsorgungsszenarien benötigt. Der häufigste Engpass ist, dass diese Daten über verschiedene Abteilungen verstreut sind und nicht standardisiert vorliegen. Es lohnt sich, frühzeitig eine zentrale Datenerfassung aufzusetzen, damit die Erstellung weiterer EPDs deutlich schneller und günstiger wird.

Wie lange dauert es, bis eine EPD vorliegt?

Rechnet nach unserer Erfahrung mit einem Zeitraum von 6 bis 12 Monaten von der internen Datenerhebung bis zur veröffentlichten EPD, bei Engpässen bei Prüfstellen auch länger. Startet also früh genug, am besten bevor die neue harmonisierte Norm eurer Produktfamilie verbindlich wird. Nutzt die Zeit, um interne Prozesse zu strukturieren und passende EPD-Tools oder Dienstleister zu prüfen.

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