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Was (Innen-)Architekt:innen von Messen erwarten

Auf einen Blick

  • (Innen-)Architekt:innen erwarten auf Messen relevante Produktinformationen, haptische Erlebnisse und konkrete Inspiration für ihre Materialbibliothek statt Image-Videos und Marketingfloskeln.
  • Nachhaltigkeit (80,3 %), Design-/Architekturtrends (73,7 %) und Bauprodukte/Materialien (73,3 %) sind die mit Abstand gefragtesten Themen, während BIM und Smart Building auf Messen kaum Relevanz haben.
  • Fachlicher Dialog auf Augenhöhe mit Produktingenieur:innen und Projektentwickler:innen wird deutlich bevorzugt, klassische Vertriebsgespräche mit Verkaufsdruck schrecken die Zielgruppe eher ab.
  • Kuratierte, zeiteffiziente Formate und After-Work-Events gewinnen gegenüber starren Ganztages-Messen an Bedeutung, weil sie sich besser in den Arbeitsalltag von Planungsbüros integrieren lassen.
Erstellt
13.09.25
Lesezeit
5 Minuten
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Drei Architektinnen und Designerinnen in einer kreativen Workshop-Situation, diskutieren Konzepte am Tisch.
Inhaltsverzeichnis
  1. Relevanter Content statt Image-Videos
  2. Welche Themen sind wirklich interessant?
  3. Die vier zentralen Erwartungen
  4. Wandel in der Erwartungshaltung
  5. Praxistipp von hej.build
  6. Häufige Fragen

Wie oft sprechen Bauprodukthersteller im Vorfeld einer Messe mit Architekt:innen, um ihre Erwartungen und Wünsche zu verstehen? Vermutlich viel zu selten. Dabei könnten genau diese Insights darüber entscheiden, ob euer Messestand überzeugt oder übersehen wird. Unsere Interviews im Rahmen des Praxis-Guides zeigen: (Innen-)Architekt:innen haben klare Erwartungen und wünschen sich vor allem relevante Inhalte statt Selbstinszenierung.

»Ich habe noch nie einen Architekten gesehen, der sich freiwillig 10 Minuten vor einen Bildschirm stellt, um ein Image-Video zu schauen.«

Lutz HammerRECKLI

Relevanter Content statt Image-Videos

Lutz Hammer von RECKLI trifft mit seiner Aussage einen wunden Punkt. Image-Videos werden auf Messen und auch im Web oft zur Selbstinszenierung genutzt, allerdings mit fraglichem Erfolg. Die meist minutenlangen Clips wirken selten inspirierend oder informativ, sondern eher wie ein Eigenlob in Dauerschleife. Und genau das wollen Messebesucher:innen nicht. Auf einer lauten, dynamischen Messe rücken stattdessen der direkte Kontakt und das Ausprobieren von Produkten in den Fokus.

Welche Themen sind wirklich interessant?

Nachhaltigkeit und ökologische Baustoffe (80,3 %), gefolgt von Design- und Architekturtrends (73,7 %) sowie Bauprodukten und Materialien (73,3 %), sind die häufigsten Interessen der Befragten. Die geringe Relevanz von Themen wie BIM (28,9 %) oder Smart Building (11,8 %) deutet darauf hin, dass diese Inhalte für viele auf Messen nicht ausreichend »greifbar« oder schlicht zu technisch für klassisch ausgebildete Architekt:innen sind.

Die Interviews bestätigen den Eindruck aus der Umfrage: Timm Helbach von mamuth beschreibt die ideale Messe als eine Mischung aus tiefen und niederschwelligen Themen, die am besten interaktiv und haptisch erlebbar sind. Schließlich sind fast alle Messebesucher:innen genau deshalb vor Ort: Um Produkte anzufassen, auszuprobieren und im Dialog konkrete Lösungen für ihre Projekte zu finden.

Die vier zentralen Erwartungen

Die Erwartungshaltung der (Innen-)Architekt:innen lässt sich anhand unserer Gespräche und der Umfrage in vier übergeordnete Bereiche einteilen.

1. Produktinfos statt Marketingfloskeln

Architekt:innen kommen nicht für lange Image-Videos oder vollgestopfte Produktkataloge auf Messen. Sie wollen Produkte sehen, anfassen und bewerten. Der Fokus liegt darauf, Inspiration für die Materialbibliothek zu sammeln und konkrete Updates für ihre Projekte mitzunehmen.

»Wenn ich eine Messe besuche, erwarte ich konkrete Produkt-Updates und Inspiration für unsere Materialbibliothek.«

Wiebke AhuesLXSY

2. Kontakte knüpfen und Beziehungen stärken

Einige Befragte sehen Messen als gute Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen und bestehende Beziehungen zu stärken. Besonders geschätzt wird es, wenn Hersteller proaktiv, aber nicht aufdringlich auf sie zugehen. Auch für die eigene Projektakquise werden insbesondere Messen wie die EXPO Real in München oder die MIPIM in Cannes immer wichtiger.

3. Wissen tanken, aber kuratiert

Panels, Fachvorträge und Workshops bieten auf Messen großes Potenzial, sind aber nur dann attraktiv, wenn sie gut kuratiert oder mit namhaften Speaker:innen besetzt sind. Inhalte mit klarem Praxisbezug oder übergeordneten Branchenthemen ziehen die Zielgruppe an, während oberflächliche Impulse oder Werkvorträge eher abschrecken, da die Zeit besser genutzt werden kann, um sich die Themen in gleicher Zeit selbst anzueignen.

»Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm auf Messen ist spannend. Allerdings passen Vorträge mit wenig Informationsgehalt nicht zur schnellen Taktung des Formats. In 45 Minuten kann ich gezielt Informationen auf der Messe sammeln, statt einem weniger dichten Vortrag zu folgen.«

Sebastian SchusterSCHMIDTPLOECKER

4. Atmosphäre ohne Verkaufsdruck

Messen werden von vielen Befragten vor allem deshalb geschätzt, weil sie Raum für Begegnung und lockere Gespräche bieten. Wenn der Fokus zu stark auf reinen Verkaufs- und Marketinggesprächen liegt, leidet die Stimmung spürbar. Planende suchen das Gespräch lieber mit Projektentwickler:innen und Produktingenieur:innen, die fachlich fundiert auf ihre Fragen eingehen und weniger mit Vertriebler:innen, die auf schnelle Abschlüsse abzielen.

Wandel in der Erwartungshaltung

Die Bedürfnisse der Befragten haben sich laut Umfrage spürbar verändert. Fünf zentrale Entwicklungen lassen sich ableiten:

Weniger, aber bewusster gewählte Messebesuche

Regionale und kuratierte Formate wie die polis Convention oder das Heinze Klimafestival punkten durch Fokus und Erlebnis.

QR-Codes und digitale Tools ergänzen Print

QR-Codes und virtuelle Präsentationen ergänzen physische Erlebnisse. Digitale Tools erleichtern die Orientierung schon im Vorfeld der Messe und steigern den Nutzen des Messebesuchs.

Nachhaltigkeit ist kein Extra mehr, sondern Voraussetzung

Es geht nicht nur um nachhaltige Produkte, sondern auch um die Transparenz des gesamten Messeauftritts in Sachen Umweltverträglichkeit oder Recyclingfähigkeit. Greenwashing wird deutlich häufiger identifiziert und kategorisch abgelehnt.

Mehr Dialog, weniger Produktschau

Statt einer breiten Produktpräsentation des gesamten Portfolios suchen Besucher:innen spezifische Lösungen für Projekte. Interaktive Formate wie Panels oder Workshops sind zunehmend beliebter als statische Auftritte.

After-Work-Events statt starrer 9-to-5-Messen

Formate, die besser in den Arbeitsalltag passen, sind gewünscht und gewinnen an Bedeutung. Viele wünschen sich Messeerlebnisse und -events über die Arbeitszeit hinaus.

Praxistipp von hej.build

Nutzt Vertriebsgespräche, um herauszufinden, was Architekt:innen sich von euch und eurer Messebeteiligung wünschen und welche Themen sie wirklich interessieren. Diese Mini-Marktforschung erfordert wenig Aufwand, bringt aber großen Nutzen. Und zeigt eurer Zielgruppe, dass ihre Erwartungen und Anforderungen für euch relevant sind.

Kurz gesagt:

Die Erwartungen der (Innen-)Architekt:innen an Messen sind klar: Sie suchen relevante Inhalte, Produkte, die inspirieren und echten fachlichen Austausch ohne Verkaufsdruck. Produkte müssen »begreifbar« sein und das Potenzial bieten, in der Materialbibliothek zu landen. Statt starrer Tagesformate von Messen gewinnen After-Work-Events und flexiblere Formate an Bedeutung, da sie sich besser in den Arbeitsalltag integrieren lassen.

Häufige Fragen zum Artikel

Wie finde ich vor der Messe heraus, was Architekt:innen von unserem Stand erwarten?

Nutzt bestehende Vertriebskontakte zu Architekt:innen und Innenarchitekt:innen als Mini-Marktforschung: Fragt in laufenden Projekten konkret nach, welche Produkte, Materialien oder Themen auf der kommenden Messe relevant wären. Schon wenige kurze Gespräche liefern oft konkretere Erkenntnisse als jede interne Brainstorming-Runde. Die Ergebnisse lassen sich direkt in die Standplanung, die Auswahl der Exponate und die Besetzung des Standteams übersetzen.

Wen sollten wir als Bauprodukthersteller am Messestand einsetzen, wenn klassischer Vertrieb eher abschreckt?

Setzt auf Produktingenieur:innen, Anwendungstechniker:innen oder Projektentwickler:innen, die fachlich fundiert auf konkrete Planungsfragen eingehen können. Planungsbüros suchen Dialog auf Augenhöhe, keine Verkaufsgespräche mit Abschlussdruck. Vertriebsmitarbeiter:innen können im Hintergrund koordinieren und Leads qualifizieren, sollten aber nicht den Erstkontakt am Stand dominieren.

Lohnt es sich noch, in aufwendige Videoproduktionen für den Messestand zu investieren?

Für den Messestand selbst eher nicht. Architekt:innen kommen auf Messen, um Produkte haptisch zu erleben, Muster mitzunehmen und im direkten Gespräch Antworten zu bekommen. Investiert das Budget lieber in aussagekräftige Materialmuster, interaktive Produktdemos und gut geschultes Fachpersonal. Videos entfalten ihre Wirkung besser in der digitalen Nachbereitung oder als Vorab-Kommunikation.

Sind kleinere, kuratierte Veranstaltungsformate eine echte Alternative zu den großen Leitmessen?

Für viele Planungsbüros zunehmend ja. Regionale, kuratierte Fachveranstaltungen punkten durch thematischen Fokus, kürzere Besuchszeiten und eine höhere Dichte relevanter Kontakte. Das bedeutet nicht, dass Leitmessen irrelevant werden, aber Hersteller sollten prüfen, ob ein Mix aus großen Messen und thematisch fokussierten Nischenformaten ihre Zielgruppe besser erreicht als die reine Konzentration auf die etablierten Branchenevents.

Wie gehen wir am Stand mit dem Thema Nachhaltigkeit um, ohne als Greenwashing wahrgenommen zu werden?

Zeigt konkrete Daten: EPDs, Recyclinganteile, CO₂-Bilanzen oder Cradle-to-Cradle-Zertifizierungen gehören sichtbar an den Stand und in die Gespräche. Architekt:innen und Fachplaner:innen erkennen oberflächliche Nachhaltigkeitskommunikation schnell und reagieren ablehnend. Wer ehrlich benennt, wo das eigene Produkt bereits stark ist und wo noch Entwicklungsbedarf besteht, gewinnt deutlich mehr Vertrauen als ein pauschales »Wir sind nachhaltig«.

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